Ein Appell für mehr Liebe

Wir leben in einer Welt, in der es normal ist zu kritisieren. Wir sind Weltmeister darin, Menschen zu beurteilen und ihnen unseren Stempel aufzudrücken. Zu platt, zu schwach, nicht durchgedacht – wir haben an allem und überall etwas auszusetzen. So mutieren wir nach und nach zu Menschen, die zwar super darin sind, andere zu beurteilen und zu hinterfragen, werden aber selber immer weniger gut darin, selber Dinge zu erschaffen oder eigenen Ideen einen Raum zu geben.

 

Diese Fehlerbesessenheit sorgt dafür, dass wir den Mut verlieren, selber Dinge aufzubauen und die eigenen Träume und Ideale zu verwirklichen. Viele Ideen scheitern so, bevor sie überhaupt fertig gedacht werden konnten.

 

Auf der diesjährigen re:publica, der größten Digitalkonferenz Europas, stand das Thema „Liebe“ im Fokus. Der wohl inspirierendste Vortrag kam von der Journalistin und Bloggerin Kübra Gümüsay, die beschrieb, wie sie sich in den letzten Jahre unablässig gegen Hass und für die Beseitigung von Vorurteilen eingesetzt hat. Auf die Frage, was sie denn mit ihrem Leben anfangen würde, wenn dies nicht mehr nötig wäre, hatte sie auf einmal keine Antwort mehr. Zu lange hatte sie ihre Kraft und Energie dafür verwendet, gebetsmühlenartig zu wiederholen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Sie plädierte dafür, wieder mehr Zeit in Dinge zu investieren, die dazu beitragen, eine Welt nach unseren Vorstellungen zu formen, anstatt ständig zu erklären, warum Hetze und Intoleranz darin keinen Platz haben. Sie plädierte für eine freie Welt, in der es möglich ist, gemeinsam Ideen zu entwickeln und diese umzusetzen.

 

Um dies zu schaffen, bedarf es einer Menge Mut; Mut und vor allem auch Unterstützung aus dem eigenen Umfeld. Wie lange ist es her, dass ihr mal wieder „Gut gemacht!“ zu jemandem gesagt habt? Wann habt ihr das letzte Mal jemanden gelobt? Dies ist ein Appell für mehr Lob und Anerkennung, ein Appell für mehr Vertrauen in neue Ideen und Projekte. Denn kritisieren fällt leicht, wenn man selber in der Position des Kritik-Übenden ist. Den Mut, den es braucht, um etwas zu riskieren und neue Wege zu gehen, den gilt es zu belohnen. Sonst werden künftig noch mehr gute Einfälle vorzeitig zum Scheitern verurteilt sein.

 

(jd)

 


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