Warum wir uns von fremden Erwartungen frei machen müssen

Foto: unsplash
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Wir leben in Freiheit und streben in der Unendlichkeit von Möglichkeiten nach dem Maximum unserer Selbstverwirklichung. Erwartungen prägen unseren Alltag, beeinflussen unsere Entscheidungen und weisen uns den Weg zu unseren Zielen. Doch wenn unserer Generation alle Türen offen stehen und jede Vision auf dem Weg zum Glücklichsein realistisch erscheinen mag, werden wir zu den Getriebene unseres Selbst. Wir setzen uns jeden Tag, jeden Monat, jedes Semester neue, höhere Ziele, die wir noch schneller und effektiver erreichen wollen. Stillstand ist verboten.

 

Dabei spielen die eigenen Erwartungen an unsere Person eine entscheidende Rolle. Erwartungen entstehen durch die Träume und Ziele, die wir alle haben. Doch auch die Gesellschaft und Freiheit der Möglichkeiten fordern eher dazu auf, endlich all die Pläne und Ideen in unseren Köpfen umzusetzen.

 

 

 

Ein schönes Beispiel ist die Zeit nach dem Abitur. Die Hochschulreife gehört in unserer Wohlstandsgesellschaft wohl für die meisten in der heutigen Zeit zur Selbstverständlichkeit unserer Entwicklung in der Schulzeit. Anschließend werden einem dann endlose Möglichkeiten aufgezeigt, welche oft eng mit einer akademischen Laufbahn zusammenhängen. Unsere Lehrer und Eltern erklären uns, dass Akademiker die niedrigste Arbeitslosenquote abbilden und mit relativer Sicherheit ein vernünftigen Einkommen mit sich bringen. Somit ist der Weg auf die Uni eine gängige Entwicklung und somit Erwartung an unsere Person.

 

Aber auch unser soziales Umfeld prägt uns jeden Tag aufs Neue. Postet unser oberflächlicher Freundeskreis auf Instagram das “Boomerang” Jubel-Selfie mit dem Bachelor-Zeugnis, dann muss unser Abschluss auch endlich mal geschafft sein und noch besser inszeniert werden. Somit wachsen unsere Erwartungen an uns selbst auch durch die erfüllten “Erwartungen” unserer Kontaktpersonen. Oft völlig unabhängig, ob wir selber aus intrinsischer Motivation die gleichen oder ähnlichen Ziele verfolgt haben oder überhaupt verfolgen wollen. Dadurch entsteht im Alltag für uns eine endlose Spirale neuer Erwartungen, welche uns oft die Kraft für unsere eigentliche Träume nimmt und uns eher mit all den “erwarteten” Erwartungen erdrückt.

 

Die Antwort auf die Freiheit, eigene Erwartungen zu formulieren ist am Ende vielleicht ganz simpel und doch herausfordernd. Wir sollten uns nicht zu sehr damit beschäftigen, was von uns erwartet wird, oder welche Erwartungen wir im Verlauf der Zeit natürlicherweise erfüllen sollen. Sondern uns eher die Frage stellen, auf welche Reise wir uns begeben wollen und welche Erwartungen wir auch schon im Prozess der Erfüllung mit positiver Energie ausfüllen können. Wir sollten uns eher die Frage stellen, ob die Erwartungen, die uns tagtäglich beschäftigen, tatsächlich auch unsere eigenen sind. Welche wir jeden Tag mit Freude leben, uns gerne auf den Weg machen, diese Erwartungen eines Tages mit voller Überzeugung erreicht zu haben. Wenn wir es schaffen unsere ganz persönlichen unabhängigen Erwartungen zu formulieren, machen wir uns wirklich frei von all den Ansprüchen und auch der Angst diese Erwartungen nicht zu erfüllen und zu “scheitern”.

 

(fh)

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