Zu scheitern ist schmerzhaft, aber nicht das Ende

Unsere Gastautorin Autorin Martina Ürek schreibt über ihre Erlebnisse und erzählt uns in unserer ersten Geschichte übers Scheitern, wie sie wieder auf die Beine kam.

 

Wenn ich etwas gelernt habe, dann zu scheitern. Scheitern gehört zu den Dingen, die ich mir gerne erspart hätte. Jeder, der schon mal an seiner Idee, oder vielleicht sogar an seinem Lebensmodell gescheitert ist, kann das sicher nachvollziehen. Ich bewundere diejenigen, die das Leben so glatt gezogen hinbekommen: Abitur, Studium, tolle Stelle, Promotion, zwischendrin noch eine Hochzeit und dann noch das Wunschkind. Wenn ich dagegen mein Leben reflektieren sollte, dann befinde ich mich in der Mitte des Lebens und muss immer wieder neu aufstehen. Eine Stehauffrau, die beruflich und privat Wege gegangen ist, die nicht immer in eine Richtung gingen. Einige sind beeindruckt, andere schreckt die Vielfältigkeit ab. Ein Pfarrer sagte mal in einer Predigt: „Beruf ist Berufung“ – recht hatte er, denn meinen Beruf als Buchändlerin hätte ich gerne noch weiter ausgeübt. Wenn die Stellen nicht so knapp und die Selbständigkeit in Zeiten von Amazon nicht so schwer wäre. Und dann klopfte die Insolvenz an der Tür. Dazu kamen noch zwei Mietnomaden, die mein Häuschen in Schutt und Asche gelegt haben – die Schulden häuften sich. Die Insolvenz klopfte an der Haustüre, verschwand aber glücklicherweise auch wieder. Alles weg. „Geld kommt und geht“, sagte ein Freund zu mir. „Die Hauptsache ist doch, dass du gesund bist und dich im Spiegel anschauen kannst.“ Wenn aber viel Geld geht und dein Hab und Gut ein Trümmerhaufen ist, ist irgendwann auch die Psyche im Eimer, denn die Enttäuschung über den Verlust ist riesig. Schlimmer ist es noch, wenn dann deine vermeintlichen „Freunde“ dich als Versager abstempeln und dann nichts mehr mit dir zu tun haben wollen. 

 

Scheitern ist verdammt schwer. Ideen zu begraben, immer wieder die Hoffnung aufzugeben, dass eine von ihnen vielleicht doch noch aufgeht. Im Angestelltenverhältnis wie auch privat. Ich habe mir eine Auszeit genommen, um über mich und mein Scheitern nachzudenken, denn irgendwann bist du ausgebrannt und es kostet dich verdammt viel Zeit und Kraft, um wieder auf den Dampfer zu kommen. Aber Scheitern gehört auf dem Weg zum Erfolg dazu. Und für mich persönlich ist es bereits ein Erfolg, dass ich viele Dinge heute lockerer als früher sehe. Berufliches nicht mit nach Hause nehme sowie versuche Privates und Berufliches strickt zu trennen. Aber um dahin zu kommen, braucht es Unterstützung – und deshalb ist es wichtig in diesen Phasen gute Freunde und Familie an seiner Seite zu haben. Du bist gescheitert? Dann nimm das an und mach weiter!

 

Solltest du auch in der Situation sein: Nimm dir Zeit, geh in dich und reflektiere dich – und das immer wieder aufs Neue. Trenne dich von allem, was dich belastet und finde dich damit ab, dass du gescheitert bist. Das ist kein Verbrechen und lass dir von niemanden einreden, dass es nur dir so geht. Versagen ist natürlich! Auch in unserer tollen, durchgeplanten Gesellschaft, in der Zahlen und Leistungen an erster Stelle stehen sowie gescheiterte Existenzen fast als Verbrechen gehandelt werden – obwohl alle wissen, dass das falsch ist. Schalte ab, schlaf dich aus, gehe in den Wald, gehe schwimmen und mach das, was dir gut tut. Nutze die Ruhe und die Stille. Suche und finde dich selbst. Hör auf dein Herz. Eines meiner Lieblingszitate ist der Buchtitel von Susanna Tamaro: „Geh, wohin dein Herz dich trägt“. Es ist so simpel, aber wir überhören gerne die leisen Töne, die uns warnen, die uns halten und sehr empfindlich sind, wenn wir sie übergehen. Das Leben ist nun einmal kein Schlotzer, wie man im Schwäbischen sagt. Nehmen wir also alles mit, was da so kommt.

 

Der Artikel ist zuerst auf www.editionf.com erschienen.


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