Warum immer diese Angst? Eine Portion Leichtigkeit bitte!

Foto: Athene privat
Foto: Athene privat

Unsere Gastautorin Athene muss sich den Mut und die Freude vor dem Start jeder Reise immer wieder neu erarbeiten. Sie appelliert für ein bisschen mehr Leichtigkeit.

 

Der Rucksack steht neben der Tür. Ich seufze und hebe ihn auf den Rücken und die Reise geht los. Wieder einmal. Ich hoffe ich habe nichts vergessen. Drei mal checke ich auf dem Weg zu Bahnhof, ob der Pass da ist, wo er sein soll. Im Kopfe gehe ich nochmal alles durch, was ich vorher erledigen und einpacken wollte. Natürlich mache ich mir was vor, denn wenn ich etwas vergessen haben sollte, ist es jetzt eh zu spät. Nur eins ist auf jeden Fall am Start – immer und immer wieder – mein Kloß im Hals, die Angst. Ich weiß nicht einmal wovor. Aber ich habe andauernd Angst. Ich glaube, das geht vielen so – und trotzdem sprechen wir viel zu selten darüber. Deshalb mache ich das jetzt!

Beim Start jeder Reise ist es immer wieder so: Auf einmal fühle ich mich klein und unbedeutend. Ich denke daran, dass ich gerne fünf Jahre alt wäre, an der Hand von Mama und meine einzige Sorge: Ist der Teddy dabei?

 

Neidisch gucke ich in solchen Momenten auf die Kinder, die von ihren Eltern am Flughafen zum Gate gezerrt werden. Träge und müde trotten sie vor sich hin und ihnen ist egal, wo es hingeht. Hauptsache Mama ist dabei und zeigt den Weg. Aber das ist vorbei. Was ich einpacke oder ob ich mir am Flughafen einen mega teuren Kaffee leiste, wann es losgeht und wohin – ich muss, ich darf alleine entscheiden. Es liegt an mir die Herausforderung anzunehmen und die Reise mit einem „Puh“ und dann einem Lächeln anzugehen. 

 

„Guten Tag, ich hätte gern eine Tüte Selbstbewusstsein und eine Portion Leichtigkeit!“ Wie gern würde ich in solchen Momenten ein wenig Power einkaufen gehen und mich damit auftanken bis ich fast platze vor lauter „Ich-schaffe-alles“. Aber so bin ich nicht. Den Mut und die Freude erarbeite ich mir jedes Mal aufs Neue. Es ist immer wieder hart. Die Angst beim Start einer Reise ist das eine. Ich könnte euch eine lange Liste machen mit allem, wovor ich Angst habe (Auto fahren, fliegen, verschlafen, versagen, etwas vergessen ...). Es bringt nichts, die Angst zu verteufeln. Sie gehört zu meinem Leben dazu. Genau wie die Kraft, die nötig ist, um sie zu überwinden auch. 

 

Jedes Mal wenn ich surfen gehe, habe ich Schiss kurz bevor es wieder ins Wasser geht. Bei den ersten Wellen, die ich gerne anpaddeln würde, entscheide ich mich oft kurz vor Take Off dagegen und lasse sie vorbeiziehen – aus Angst. Es sind wunderbare, bildlich nicht ergriffene Chancen, die zu Schaum und Weißwasser werden. Klar, sobald die Welle gebrochen ist, ärgere ich mich. Irgendwann – meistens sehr plötzlich – packt es mich dann aber doch. Ich halte inne, bewundere den wunderschönen Ort, an dem ich gerade sein darf und paddle bis ich meine Arme nicht mehr spüre und eine Welle bekomme. Genau dann weiß ich wieder, warum es sich lohnt die eigene Angst zu überwinden. Manchmal weine ich dann vor Glück, wenn ich wieder ins Wasser falle und meine Tränen mischen sich mit dem Salzwasser. Nochmal!

 

Beim Snowboarden ist es dieser erste Moment oben am Hang. Auf einmal sind diese Gedanken wieder da: „Wie war das nochmal mit den Kurven?, „Es ist steil, da sind Menschen und ich habe das bestimmt alles verlernt.“ Quatsch! Snowboarden ist wie Fahrradfahren. Man verlernt es nicht. Und nach der ersten Abfahrt über den weißen Puder ist die Angst verflogen. Dann bin ich ihr wieder gewisser Weise davongefahren. 

 

Oder erinnern wir uns an den ersten Tag im neuen Job oder im neuen Aufgabenbereich. Innerlich zittere ich komplett und dann sage ich mir: „Athene, du hast schon den ersten Tag an der Schule überlebt. An der Uni. Bei der Abschlussprüfung. Damals beim Radio. Und im Volontariat. Und und und.“ Ich versichere mir selbst: „Das ist ein Tag wie gestern, er wird genauso vorbeigehen und hinterher wirst du schlafen gehen und dich fragen: Warum diese Angst?” Na, weil sie dazugehört. Weil sie zum Kreis des Auf und Abs gehört. Weil das Leben viele Facetten hat und die Angst ist eben eine davon. Bei manchen größer, bei anderen kleiner. Sie ist bitter und gewaltig – aber zum Glück überwindbar!

 

Und genauso ist es auch beim Reisen. Die Angst und ihr Überwinden, gehört einfach dazu. Ich glaube, ich brauche sie, um mit jeder Herausforderung wieder über mich hinauszuwachsen und es mir beweisen zu können. Ohne Angst kann mein Herz auch nicht die große Freude hinterher in dieser starken Intensität wahrnehmen. Und die ist immer wieder unbeschreiblich. Also gebe ich der Angst ganz offiziell ihren Platz in meinem Leben. Angst überwinden heißt: Wellen oder Hürden nehmen, mal hinfallen, aufstehen,trotzdem lachen, kurz verschnaufen, weitermachen – bis zu den Glücksmomenten, wenn alles strahlt – inklusive man selbst. Und genau dafür lohnt sich das Leben. 

 

Dieser Artikel ist zuerst auf Athenes Blog salz-im-haar.de erschienen.

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