Warum Liebe und Treue nicht zusammenpassen

Foto: unsplash
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Es ist am Ende gar nicht so einfach, dem Ende einer Beziehung etwas Positives abzugewinnen. Schließlich steht neben dem ganzen Schmerz das Ende eines Lebensabschnittes im Raum. Das große Wort „Scheitern“ hängt an der Kiste mit den Erinnerungen, die nach und nach zusammengerafft und in die letzte Kellerecke verfrachtet werden.

 

Zusammen mit der Kiste verschwinden nach und nach die gemeinsamen Erlebnisse aus dem Gedächtnis und machen Platz für Neues. Urlaube, die gemeinsam erlebt wurden, Erfolge die gefeiert und Tränen, die zusammen vergossen wurden — nach und nach, Schritt für Schritt, lassen wir diese Dinge hinter uns.

 

Was am Ende bleibt?

 

Die Gewissheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben? Das Bewusstsein, keine andere Wahl gehabt zu haben und vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein? Der bittere Beigeschmack, den Erinnerungen bekommen, wenn man sie im Nachhinein durch die Brille des Betrugs betrachtet? Das bringt am Ende nur Verbitterung und hilft auch bei der Verarbeitung des Ganzen nicht wirklich weiter.

 

Was aber ist mit der Gewissheit, sich selber während der Zeit nicht zu sehr zurückgenommen zu haben? Die Gewissheit, die eigenen Träume und Ziele nicht der verlorenen Beziehung geopfert zu haben und so nicht dem Gefühl zu erliegen, sich selber nicht treu gewesen zu sein.

 

Ist das nicht etwas, an dem man sich festhalten kann? Denn so sehr sich das verliebte Zusammensein auch nach Aufregung und Abenteuer anfühlen mag und so sehr man sich auch sicher sein mag, dass der jetzige Partner bis zum Rest unseres Lebens bei uns sein mag – die Gewissheit, dass dies die eine, alles überstehende Beziehung sein mag, kann uns letztlich niemand geben. Wir gehören schließlich zu einer Generation, die den Glauben an die Ehe und die Vorstellung, das Leben ausschließlich mit dem einen Partner zu verbringen, fast vollständig an den Nagel gehängt hat. Und das nicht ohne Grund. Keine unserer Vorgänger-Generationen ist mit so vielen alleinerziehenden Elternteilen aufgewachsen, keine hat so viele Trennungen miterlebt, wie unsere.

 

Umso wichtiger scheint es da, nicht aus den Augen zu verlieren, was man selber sich vom Leben wünscht und welche Visionen man ganz individuell und unabhängig von der Partnerschaft verfolgt. Das mag anfänglich egoistisch klingen, ist aber letztlich die einzige Möglichkeit sich selber und seinen (Ex-)Partner davor zu schützen, am Ende im gegenseitigen Vorwurfsfeuer unterzugehen. Nichts ist schließlich schlimmer, als auf eine langjährige Beziehung zurückzuschauen und ausschließlich die vergebenen Chancen zu sehen, die man aus Rücksichtnahme oder falsch verstandener Solidarität vorbeiziehen ließ.

 

Deswegen: Bleiben wir uns selber treu! Egal, wie unwahrscheinlich es uns in dem Moment der großen Verliebtheit scheinen mag und wie sehr wir davon überzeugt sind, uns den Rest unseres Lebens an diesen einen Menschen binden zu wollen: Verfolgen wir die Ziele, die wir uns gesteckt haben. Werden wir Ärzte, Anwälte, Lehrer oder Rennfahrer. Werden wir Weltenbummler und entdecken, was wir schon immer sehen wollten!

 

Das schützt uns am Ende natürlich nicht davor, vielleicht doch verletzt zu werden. Es nimmt aber ein bisschen von der Bitterkeit, wenn es mit der lebenslangen Liebe am Ende doch nicht klappt. Und vielleicht liegt darin auch ein bisschen Wahrheit, wenn es um das Geheimnis von langjährig erfolgreichen, erfüllten Partnerschaften geht. Schließlich heißt es ja nicht umsonst: Mach erst Dich selbst glücklich, bevor Du dich um dein Liebesglück kümmerst.

 

(jd)

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